Wie teuer ist Vietnam wirklich? Ein schneller Realitätscheck für deinen ersten Asien-Trip
Vietnam hat diesen Ruf: Alles ist superbillig, Backpackerparadies, 10 Euro am Tag und fertig. Klingt nett. Und ist 2026 nur noch halb wahr.
Ob Vietnam „günstig“ ist, hängt brutal davon ab, wie du reist. Hostel und Nachtbus? Oder doch lieber Doppelzimmer, Flug statt 20-Stunden-Bus und ein Kaffee, bei dem der Barista einen Schnurrbart hat und Jazz läuft?
Ich schreibe hier aus der Perspektive einer typischen DACH-Individualreise: keine Gruppenreise, kein Luxusresort, erster langer Asien-Trip, aber auch keine Lust, jeden Preis fünf Minuten runterzuhandeln. Und ganz sicher keine 5-Euro-auf-der-Pappe-Backpackerromantik.
Die drei Reisestile, die ich unterwegs in Hanoi, Da Nang, Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) und auf einem ländlichen Eco-Projekt erlebt habe:
- Budget: Hostelbett, Streetfood, Nachtbus, Bier auf dem Plastikstuhl.
- Mittelklasse: Nettes Doppelzimmer, Mix aus Garküche und Restaurant, Inlandsflug auf längeren Strecken.
- Komfort: Gute Hotels, fast alles per Flug, organisierte Touren, Rooftop-Drinks.
Nur damit wir über ähnliche Größenordnungen reden: Ich lag grob bei 25–35 € pro Tag im Budgetmodus, 40–60 € in der Mittelklasse und ab etwa 70 € aufwärts, wenn ich es mir „gut gehen ließ“ – ohne total zu eskalieren.
Mein Lieblings-„Okay, Moment…“-Moment war in Hanoi: Ich setze mich in ein hübsches Café im Old Quarter, bestelle einen Cappuccino und zahle umgerechnet etwa 1,50 €. Und denke kurz: „Halt, ich wurde doch gewarnt, hier kostet alles 50 Cent?“ Tut es auch – wenn du nicht in einem Instagram-tauglichen Café landest, das genau auf Leute wie mich wartet.
Die Wechselkurse schieben die Beträge natürlich ein bisschen hin und her, aber die Relationen bleiben: Suppe günstig, guter Kaffee und westliche Snacks plötzlich „teuer“. Genau darum geht es hier: realistische Tagestotale, typische Kostenfallen, kein Luxusresort-Gefasel.
Mir hilft es, so etwas halbwegs strukturiert zu planen, sonst verliere ich unterwegs den Überblick. Ein simpler Trip Planner wie der von HikersBay im Browser, in dem ich Tage, Städte und grobe Kosten reinwerfe, hat mir schon mehr als einmal den „Ups, Geld fast alle“-Moment erspart.
Später geht es noch um die Tet-Feiertage, an denen Preise sich einmal quer durchdrehen. Wenn dich das betrifft: Der tiefere Rabbit Hole dazu steckt im Artikel „Tet in Vietnam 2026/27: Warum viele Reisende flüchten – und wann du besser wegbleibst“.
Was du pro Tag wirklich zahlst: Unterkunft, Streetfood und Kaffee-Luxus in Hanoi, Da Nang und Saigon
Bild dir die Szene: Du kommst nachts in Hanoi an, Jetlag, feuchte Luft, Roller überall. Du öffnest Booking, siehst Zimmer für 9 € und 39 € im gleichen Viertel und fragst dich: „Was davon ist jetzt normal und was ist Bettwanzen-Deluxe?“
Unterkunft: vom Hostelbett bis Boutique-Hotel
Ich habe in Hanoi im Old Quarter in einem sehr okayer Dorm geschlafen – Bett im Schlafsaal mit Frühstück: rund 8 € die Nacht. Kein Design, aber sauber, gutes WLAN, Personal nett, fertig.
In Da Nang bin ich dann auf „Ich bin jetzt erwachsen“-Modus gewechselt: einfaches Doppelzimmer, fünf bis zehn Minuten zu Fuß vom Strand, Balkon mit leicht rostigem Geländer, dafür Meerblick um die Ecke. Gezahlt habe ich meist um die 25–30 € pro Nacht. Ohne Frühstück wäre es ein paar Euro günstiger gewesen.
In Saigon, District 1, wurde es dann sportlicher. Für ein hübsches Boutique-Hotel mit wirklich gutem Bett, leiser Klimaanlage und ordentlichem Frühstücks-Buffet habe ich zwischen 55 und 70 € pro Nacht hingelegt. Lage top, aber ja, du merkst die Großstadtpreise.
Spannend: Das ländliche Eco-Projekt in Nordvietnam, bei dem ich zwei Nächte war, lag preislich fast wie Stadt-Midrange – ungefähr 30–35 € pro Nacht im Bungalow. Aber da war alles drin: Essen, einfache Aktivitäten im Dorf, ein Teil des Geldes ging an Community-Projekte. Fühlte sich sehr fair an.
Was ich schnell gelernt habe: Lage, Frühstück, Storno-Bedingungen – das alles macht mehr aus als „Sterne“. Das 9-€-Zimmer kann okay sein, aber wenn du jeden Abend 30 Minuten durch den Moloch zurücklaufen musst, rechnest du den Rest plötzlich drauf.
Essen und Streetfood: satt für Kleingeld, Kaffee als Luxusfalle
Die Nudelsuppe ruiniert dir dein Budget nicht. In Hanoi habe ich für eine Schale Pho meist 1,50 bis 2 € bezahlt. Plastikstuhl, Dampf, Chaos, sehr glücklich.
In Da Nang war mein täglicher Banh-Mi-Deal um die 1 € pro belegtem Baguette. Mit extra Chili, natürlich. Wer wirklich konsequent Streetfood isst, kommt mit 5–8 € Essen pro Tag erstaunlich weit.
Sobald du aber in Saigon in einem hippen Café mit Betonwand, Pflanzen und Latte-Art landest, kostet der Brunch locker 6–9 €. Ich bin einmal in einem komplett überteuerten Touri-Café in der Altstadt von Hanoi gelandet und habe für einen Cappuccino so viel bezahlt wie vorher für drei Streetfood-Mahlzeiten. Es tat ein bisschen weh – aber das WLAN war grandios.
Wenn du dich zwischen Garküche und lokalen Restaurants bewegst und einmal am Tag „guten Kaffee“ oder Kuchen einbaust, war ich bei etwa 10–15 € pro Tag. Im Vergleich zu DACH immer noch lächerlich günstig, aber deutlich über den legendären 5-Euro-Blogs von früher.
Getränke und Nachtleben: wo das Budget heimlich kippt
Bier ist in Vietnam erst mal harmlos. Ein Glas Bia Hoi in Hanoi hat mich meist unter 1 € gekostet. Manchmal deutlich drunter. Wenn du aber in Saigon in eine Craft-Beer-Bar gehst, bist du schnell bei 3–5 € pro Glas.
Cocktails in Rooftop-Bars mit Skylineblick? Ich habe da 8–12 € pro Drink gezahlt. Nicht New York, aber auch nicht mehr „Südostasien für 50 Cent“.
Wenn du „nur kurz“ jeden Abend was trinken gehst, schiebt sich dein Tagesetat in Saigon rasch 10–20 € nach oben. Und genau da verschwinden die Unterschiede zwischen Budget- und Mittelklasse-Reisenden wie von Zauberhand.
Die Stadt hat übrigens ähnlich versteckte Ecken wie Tokio, in denen es plötzlich wieder günstiger und viel authentischer wird. Wer Spaß an sowas hat, sollte mal einen Blick auf die geheimen Yokocho-Gassen in Tokio werfen – ähnliches Prinzip, nur eben mit Neon statt Rollerchaos.
Unterm Strich: Dein Tagesbudget kippt nicht an der Suppe, sondern an Kaffee, Bier und Zimmerwahl.
Inlandsflüge, Züge und Touren: Wo Vietnam wirklich ins Geld geht – und wo du locker sparen kannst
Mein größter Kosten-Schock kam nicht beim Hotel, sondern beim ersten Inlandsflug. Ich hatte mir optimistische 30 € pro Tag als Basis gesetzt – und dann kostet der Flug Hanoi–Da Nang plötzlich so viel wie zwei ganze Budget-Tage.
Für Flüge wie Hanoi–Da Nang oder Hanoi–Saigon habe ich je nach Saison und Buchungszeitpunkt zwischen 35 und 70 € bezahlt. Manchmal ein Schnapper, manchmal „Aua“. Früh buchen hilft, aber Billigairlines hauen dir gern noch 10–20 € pro Strecke für Aufgabegepäck drauf. Und schwupps ist der vermeintliche 29-€-Deal im Mittelfeld.
Wenn du mittelklassig oder komfortabel unterwegs bist, lohnt es sich trotzdem, hier bewusst Geld reinzustecken. 1 Stunde Flug statt 18 Stunden Nachtbus ist einfach Lebenszeit. Budgetreisende weichen eher auf Bus oder Zug aus – und das ist grundsätzlich okay.
Ich bin den Nachtzug Hanoi–Da Nang im Soft Sleeper gefahren und habe umgerechnet etwa 35–40 € gezahlt. Viererabteil, Bett war hart, aber ich konnte liegen, der Schaffner war freundlich, und ich hatte diesen altmodischen „Reisen“-Vibe. Luxus ist was anderes, aber es war absolut okay.
Harte Liegen oder Sitzplätze wären noch mal ein gutes Stück günstiger gewesen, aber ab einem gewissen Rückenstatus macht das einfach keinen Sinn mehr. Nach zwei, drei Wochen summieren sich diese Distanzen: Inlandsflüge plus ein paar längere Züge haben bei mir etwa 20–30 % des Gesamtbudgets verschluckt.
Dann kommen die Touren. Halong-Bucht, Ninh Binh, Mekong-Delta, Canyoning bei Da Lat, Food Tour in Saigon – das ist der Stoff, aus dem Instagram-Stories und Kostenexplosionen sind.
Ich habe Halong zuerst in der Billigvariante im Bus für rund 30 € erlebt: große Gruppe, maximal okayes Boot, viel Zeit mit Warten. Beim zweiten Mal habe ich für eine kleinere Gruppe und ein besseres Boot knapp 90 € gezahlt. War jeden Euro wert, allein wegen Ruhe und Sicherheit.
Canyoning bei Da Lat lag bei mir in einer ordentlichen Kleingruppe irgendwo um die 70–80 €. Da wollte ich ehrlich gesagt keinen 25-€-„wir sparen bei der Ausrüstung“-Anbieter. Ähnlich bei Food Tours in Saigon: Es gibt Angebote um 25–35 € im großen Stil, aber die spannendste Tour mit lokaler Guidein und kleiner Gruppe lag knapp über 60 € – dafür wirklich gut.
Ländliche Eco-Projekte oder Homestays arbeiten oft mit Paketpreisen. Für 40–60 € pro Nacht hatte ich Unterkunft, Essen und Aktivitäten drin und das Gefühl, dass das Geld tatsächlich im Dorf landet und nicht nur im Reisebüro. Diese „Preis-Leistungs-Momente“ kenne ich ähnlich aus Thailand; wer das mag, wird auch an den geheimen Märkten in Bangkok seinen Spaß haben.
Ich rechne mir solche Fixkosten – also Flüge, große Züge, 1–3 teurere Touren – gern vor der Reise grob zusammen, schmeiße sie in einen Trip Planner und verteile sie auf die Tage. Dann sehe ich, was übrig bleibt für Coffeeshops, Streetfood und spontane Entscheidungen. Klingt nerdig, verhindert aber ziemlich effizient, dass die Kreditkarte durchschmort.
Wenn du dich irgendwo richtig verkalkulierst, dann meistens beim Transport – nicht bei der Nudelsuppe.
Versteckte Gebühren, Tet-Falle und wie du deinen Vietnam-Trip realistisch durchkalkulierst
Der unsympathischste Moment auf der Reise war nicht der Regen im Gebirge, sondern ein Check-in in Saigon: supergünstiges Hotel, alles sah nach Schnäppchen aus – bis plötzlich Gebühren für frühes Einchecken, Kreditkartenzahlung und ein „obligatorischer Wäscheservice“ auf der Rechnung standen. Der Preis hatte sich damit fast verdoppelt.
Solche Dinge tauchen immer wieder auf: Visagebühren (je nach Nationalität und Visumstyp), ATM-Gebühren plus Bankaufschlag deiner Hausbank, Wäsche im Hotel, die plötzlich fast europäische Preise hat, oder diese kleinen Straßensalons, die dafür wieder sehr günstig sind. Und dann die Klassiker: 10 % Service und 8–10 % VAT, die auf Restaurantkarten manchmal nur ganz klein unten stehen und erst auf der Rechnung auftauchen.
Ich habe einmal eine Rechnung in einem schnieken Restaurant in Saigon bekommen, auf der drei Extra-Zeilen standen. Service, Steuer, noch irgendwas. Die Mini-Fußnote auf der Karte hatte ich komplett ignoriert. Seitdem schaue ich unten rechts hin, nicht nur in die Mitte mit den netten Bildern.
Und dann kommt Tet. Tet ist der Moment, in dem Vietnam seine Preise einmal kräftig schüttelt. Rund um das Neujahrsfest explodieren Inlandsflüge, Züge sind ausgebucht oder sehr teuer, eunfache Zimmer kosten plötzlich das Doppelte, manche Läden haben zu, andere verlangen „Holiday-Preise“. Wenn du nicht unbedingt musst, würde ich Tet beim ersten Vietnam-Trip ehrlich gesagt meiden. Besonders, wenn du Chaos nicht liebst.
Wenn du doch in der Zeit unterwegs bist oder sein musst, lies dir vorher unbedingt den Guide „Tet in Vietnam 2026/27: Warum viele Reisende flüchten – und wann du besser wegbleibst“ durch. Der erspart dir ziemlich viel Sucherei.
Wie kalkulierst du das alles jetzt, ohne ein komplett verlinktes Excel-Monster zu bauen? Ich gehe so vor: Erst die großen Blöcke – internationale Flüge, Inlandsflüge, 2–3 größere Touren. Dann setze ich mir pro Nacht ein realistisches Unterkunftsbudget je nach Reisestil. In Hanoi, Da Nang und Saigon lag ich im Midrange-Bereich im Schnitt irgendwo bei 35–40 € pro Nacht, über alle Städte gemittelt.
Dazu plane ich ein tägliches Essensbudget. Für mich sind das etwa 10–15 € pro Tag, plus einen Puffer für Kaffee, Bier, spontane Nachtmärkte. Und dann haue ich pauschal noch mal rund 20 % oben drauf, weil irgendwas immer teurer wird als gedacht: die plötzlich doch gebuchte schönere Buchtour, der Abend in der Rooftop-Bar, das fünfte Banh Mi „nur zum Probieren“.
Ich habe gemerkt, dass es mir extrem hilft, die Ausgaben grob pro Tag und Stadt im Blick zu behalten, statt im Kopf nur „Gesamtbudget Vietnam“ rumzutragen. Ein einfacher Planer mit Kostenspalte – egal ob Notizbuch oder digitales Tool – verhindert ziemlich effektiv, dass du nach der Hälfte der Reise feststellst, dass dein Konto schneller leert als gedacht.
Du musst dafür nicht jeden Cent tracken. Aber ein Überblick, wo wie viel versickert, schützt vor dem Moment, in dem du sagst: „Ich dachte, Vietnam wäre billig, warum ist mein Konto leer?“
Unterm Strich bleibt: Vietnam ist 2026 nicht mehr das 5-Euro-am-Tag-Backpackerparadies von vor 20 Jahren. Für DACH-Reisende ist es aber immer noch sehr günstig – wenn du Unterkünfte, Inlandsflüge und Touren bewusst auswählst und weißt, wo das Geld wirklich hingeht. Die eigentliche Frage ist am Ende weniger „Ist Vietnam teuer?“ als „Wie viel Komfort will ich mir hier eigentlich gönnen?“
